Zeit der inneren Einkehr

 

Der Herbst wird In der Waldorfpädagogik als die Jahreszeit beschrieben, in der die Menschen häufig eine innere Einkehr erleben sollten, ähnlich der der Natur.

Es ist „die Zeit, in der die Natur sich zurückzieht und uns Samen und Früchte hinterlässt. Wir nehmen Abschied von der sommerlichen Fülle an Licht, Wärme und Sinneseindrücken, die uns die Natur geboten hat. Im Herbst brauchten unsere Vorfahren das Vertrauen und den Mut, daran zu glauben, dass das Absterben der Natur nur vorübergehend und ein Wiedererwachen im Frühling möglich ist. Mit dem Herbst begann und beginnt die Zeit der inneren Einkehr, der Blick richtet sich von außen nach innen. Elektrisches Licht und Heizung sind ein Segen, aber innere Wärme und inneres Licht müssen wir uns selbst schaffen.“ 

Und das fällt häufig schwer.

Die Idee, bei Kerzenlicht auf dem Sofa zu sitzen, erscheint verlockend, doch widerspricht sie der Hektik des Alltags, weshalb viele Menschen diese Zeit nicht genießen können. Sie rennen weiter herum, besorgen schnell noch möglichst originelle Weihnachtsgeschenke, machen ihre längst fällige Steuererklärung und erleben in dieser Zeit häufig mehr Hektik als in allen anderen Jahreszeiten. Und auch die eigentlich besinnliche Vorweihnachtszeit zeichnet sich häufig dadurch aus, „dass das jahreszeitliche Geschehen dunkler und unfreundlicher ist als sonst. So verbringen wir in den dunklen Kältemonaten mehr Zeit in den Innenräumen unserer Häuser, die uns Wärme und Schutz vor der unwirtlichen Witterung bieten. Viele Menschen leiden durch die mangelnden Lichtkräfte an melancholischer Verstimmung und sehnen sich nach sonnigen Gefilden und der Aufbruchsstimmung des im nächsten Jahr hereinbrechenden Frühlings.“ (Randolf Schäfer)

Zurück zur Auffassung der Waldorfpädagogik, die davon ausgeht, dass  alles, was in dem jahreszeitlichen Geschehen in der Natur von statten geht, eine Entsprechung hat, die man auf ein bestehendes Lebenserfordernis für den Menschen übertragen kann.

Demnach ist es wichtig, zu sich zu finden, zur oftmals längst fälligen Ruhe zu kommen und die Zeit wieder zu verlangsamen. Können Sie sich noch vorstellen, wie es war, als man einfach zu Hause saß, es sich gemütlich gemacht hat? Stundenlang gelesen, oder gemeinsam mit netten Leuten Plätzchen gebacken hat? Und lange Spaziergänge, trotz schlechten Wetters gemacht hat? Es ist so ein tolles Gefühl, sich trotz Nieselregen zu einem Spaziergang aufzumachen, um anschließend einzukehren und es sich in einer warmen Umgebung gut gehen zu lassen. Es ist nachgewiesen, dass das Licht in der Natur auch im Winter eine Intensität hat, die einer Winterdepression vorbeugen kann. Und auch die mit einem Spaziergang verbundene Bewegung steigert das Wohlbefinden enorm. Genau wie ein solcher Spaziergang das Immunsystem anregt, das dann Krankheitserreger leichter abwehren kann.

Oder wie wäre es, wenn Sie etwas Produktives machen? Handarbeiten, Handwerken, etwas das Ihnen Spaß macht und das Sie hinterher betrachten oder verschenken können? Vielleicht könnten wir uns damit sogar den vorweihnachtlichen Stress ersparen und tatsächlich zu uns finden?! Neue oder längst verschüttet geglaubte Seiten an uns (wieder-)entdecken, so dass wir durch dieses gute Gefühl unsere innere Wärme und unser inneres Licht selbst schaffen.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen und  eine besinnliche Herbst und Winterzeit,

Ihre Anja Dittmann