Kommunikation

 

Kommunikation

 

Nachdem mir in den letzten Wochen so oft eine fehlende oder fehlerhafte Kommunikation begegnet ist, dachte ich mir, ich mache sie zum Thema des Monats.

Die erste Kommunikation, die nicht funktionierte, war die zwischen zwei langjährigen Freunden. Der Vater des einen Mannes war verstorben, woraufhin ihn der Freund anrief, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Doch da der Mann des verstorbenen Vaters nicht explizit zur Beerdigung  einlud, war der andere verunsichert, ob er überhaupt dort hingehen solle. Aber es fand kein Gespräch darüber statt. Stattdessen rätselte der Mann, was die Beweggründe für die fehlende Einladung gewesen sein könnten. Wollte man ihn nicht dabei haben? Oder wollte man ihn nicht dazu nötigen, zu kommen? Oder hatte es der Freund in seinem emotional aufgewühlten Zustand nur vergessen, ihn darauf anzusprechen? Doch anstatt nachzufragen, blieb er im Ungewissen. Er  wäre der Beerdigung ferngeblieben, hätte ihn nicht ein befreundetes Ehepaar überredet, mit zu kommen. Nach der Beerdigung stellte sich heraus, dass der Mann, dessen Vater verstorben war, sich sehr über die Anwesenheit seines Freundes gefreut hat und auch der „Zweifler“ betonte anschließend mehrfach, wie froh er doch sei, hingegangen zu sein.

Bei der zweiten Kommunikation, die nicht stattfand, ging es um die Planung eines Fußballspiels. Alle 4-6 Wochen traf sich eine Gruppe von Eltern und Kindern zu einem gemeinsamen Fußballspiel. Unterschwellig gab es immer wieder kleinere Schwierigkeiten, dennoch machte allen das kollektive Spiel großen Spaß. Eine teilnehmende Mutter berichtete eines Tages einer anderen Mutter, dass ihr das Spiel zu brutal werde und sie nicht mehr mitspielen wolle. Es gab kein Gespräch mit den anderen Mitspielern, um eine Lösung zu finden, wie man wieder zu einem weniger derben Spiel kommen könnte, was vermutlich auch im Sinne einiger anderer SpielerInnen gewesen wäre. So droht das Projekt zu scheitern, obwohl es bestimmt einige Lösungsmöglichkeiten gäbe.

Eine andere Form der fehlerhaften Kommunikation ist die, in der man seine wahren Gefühle seinem Gegenüber nicht mitteilt. Häufig dient dieses Verhalten zum eigenen Schutz oder es entsteht daraus, dass man sich seiner wirklichen Gefühle gar nicht bewusst ist. So denkt man z.B., man sei wütend, weil man von einer vertrauten Person versetzt worden ist, doch eigentlich ist man enttäuscht. Aber der betreffenden Person gegenüber zeigt man die Wut, was meistens eine Gegenwehr zur Folge hat, wodurch sich die Fronten verhärten und das Gegenteil von dem, was man eigentlich erreichen wollte, eintrifft. Es gibt möglicherweise Streit, statt einem klärenden, empathischen Gespräch.

Kennen auch Sie solche Situationen, in denen die Kommunikation in eine falsche Richtung läuft?

Warum ist es so schwer, seine wahren Gefühle preiszugeben, sich verletzlich zu zeigen?

Ehrlich zu sagen, was einen stört?

Genau durch dieses Verhalten machen es sich Paare häufig sehr schwer. Der Partner teilt nicht seine wahren Gefühle mit, sondern sein „Schutzgefühl“ (z.B. Wut/Vorwürfe anstelle von Enttäuschung und Traurigkeit). Es gibt gegenseitige Vorwürfe, aber keine Lösungsansätze. Man steigert sich in sein Gefühl hinein und keiner möchte „klein beigeben“ – beide fühlen sich missverstanden und lassen den anderen emotional nicht mehr an sich heran.

Zur Erklärung einer fehllaufenden Kommunikation gibt es unterschiedliche Modelle, die ich hier aber nicht weiter ausführen werde. Wer sich näher mit diesem Thema beschäftigen möchte, der sollte meiner Ansicht nach bei Friedemann Schulz von Thun und Riemann & Thomann nachlesen , die sehr anschaulich und verständlich zu diesem Thema schreiben. Auch Paul Watzlawick ist erwähnenswert, dessen Satz: „Man kann nicht nicht kommunizieren“ recht bekannt geworden ist. Nicht zu vergessen  Marshall B.Rosenberg, der über die gewaltfreie Kommunikation schreibt.

Leider gibt keine fertigen Rezepte für eine gelungene Verständigung –das wäre schön und würde vermutlich Vieles vereinfachen- aber uns sollte bewusst sein, dass die Art und Weise, wie wir mit anderen sprechen,  einen erheblichen Einfluss auf unsere Lebensqualität haben kann. So ist es sinnvoll, Kritik immer als sogenannte „Ich-Botschaft“ mitzuteilen („Ich bin enttäuscht, dass du…“ anstelle von „Du hast ja mal wieder…“). Versuchen Sie, sich mal vorzustellen, dass jemand Sie auf die eine, oder die andere Art kritisiert. Was empfinden Sie? Wie kommt es bei Ihnen an? Was ist Ihre erste Reaktion darauf?

Neben der Art, wie Sie sich mitteilen, spielt auch die Weise, wie Sie zuhören, eine wichtige Rolle in der Kommunikation. Nehmen Sie das Gesagte auf, denken Sie mit, stellen Sie Rückfragen und reagieren Sie während des Zuhörens durch Kopfnicken und Ähnliches, dann fühlt sich Ihr Gegenüber wahr- und ernstgenommen und wertgeschätzt. Eine gute Basis für eine gelingende Kommunikation.

Es bleibt die eingangs gestellte Frage: Warum fällt es Vielen so schwer, sich selbst engsten Vertrauten gegenüber verletzlich zu zeigen? Liegt es daran, dass in unserer Gesellschaft ein emotionales Verhalten noch häufig als Schwäche angesehen wird und niemand als schwach gelten will?

Vielleicht ist es diese Frage wert, einmal darüber nachzudenken.

Oder mit anderen darüber in Kommunikation zu treten.

 

Viele interessante Gespräche wünscht Ihnen

Ihre Anja Dittmann