ENTSCHEIDUNGEN

 

Am Wochenende traf sich meine Intervisionsgruppe bei einer Coachkollegin in Bochum und wir nutzten für einen Coachingprozess die Methode des Tetralemmas.[i]

Dabei geht es darum, jemanden in seiner Entscheidungsfindung zwischen „dem Einen“ und „dem Anderen“, „beidem“ oder „keinem von beidem“ zu unterstützen.

 

Mal schauen, was Wikipedia zum Thema Entscheidungen sagt:

 

Etymologisch soll sich das Wort vom Ziehen einer Waffe aus der Scheide herleiten, womit der Waffenträger den Kampf gewählt hat.

[…] Eine Entscheidung ist eine Wahl zwischen Alternativen oder zwischen mehreren unterschiedlichen Varianten von einem oder mehreren Entscheidungsträgern in Zusammenhang einer sofortigen oder späteren Umsetzung. Eine Entscheidung kann spontan bzw. emotional, zufällig oder rational erfolgen.

Eine rational begründete Entscheidung richtet sich nach bereits vorgängig abgesteckten Zielen oder vorhandenen Wertmaßstäben.

Von der Entscheidungskompetenz eines Individuums hängt es ab, ob seine Pro- oder Contra-Entscheidungen zum gewünschten Ziel führen.

Die Eigenschaft, ohne Verzögerung zu entscheiden und dabei zu bleiben, wird als Entschiedenheit bezeichnet (vgl. Führung oder Starrsinn). Die Statistik und Ökonomie befasst sich in der Entscheidungstheorie mit der Frage nach der optimalen Entscheidung.“

 

„Eine Entscheidung ist eine Wahl zwischen Alternativen...“

 

In meiner Weiterbildung zum Coach kam damals die Frage auf, ob man immer eine Wahl hat.

Ich habe wieder und wieder Szenarien vor meinem geistigen Auge abspielen lassen, um der Frage auf den Grund zu gehen. Und ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass man immer Entscheidungsmöglichkeiten hat, auch wenn man zunächst das Gefühl hat, mit dem Rücken an der Wand zu stehen.

Natürlich kann ich den Partner, der mich verlassen hat, nicht gegen seinen  Willen zurückholen, selbst wenn ich die Entscheidung dazu getroffen habe.

Aber ich kann mich entscheiden, ihm ewig nachzutrauern, oder mein Leben, nach einer Phase der Trauer, wieder in die Hand zu nehmen und anders zu gestalten. Zum Beispiel in dem ich Dinge tue, die ich innerhalb der Beziehung nicht tun konnte.

Dadurch wächst auch der Selbstwert wieder. Ich tue etwas, bei dem ich aus meiner Komfortzone heraus muss – Komfortzone kann in diesem Fall sein, sich zu Hause zu verkriechen und zu leiden (das kenne ich, da weiß ich, wie es geht, das kostet mich keine Überwindung).  Mache ich neue Dinge, überwinde ich mich, dann komme ich in die Lernzone. Solange ich mich dort wohl fühle, solange wächst mein Selbstwert. Ich lerne Neues, wachse über mich hinaus und fühle mich gut.

Doch Achtung!

Sollte in dieser Zone ein starker Antreiber in Ihnen das Kommando übernehmen und Sie immer wieder dazu anhalten, Ihre Lernzone  zu verlassen und in die Panikzone zu geraten, dann verlieren Sie schnell wieder das neu gewonnene Selbstwertgefühl.

Die Panikzone ist die Zone, in der Sie sich nicht mehr sicher fühlen. In der sich ein Gefühl der Überforderung einstellt. Vielleicht kennen Sie Situationen aus Ihrem  Leben, in denen genau das passiert ist. Sie haben sich eine Aufgabe vorgenommen, haben Zweifel daran gehabt, diese meistern zu können, überwinden sich aber und gehen dabei über den Wohlfühlbereich der Lernzone hinaus. Panik macht sich in Ihnen breit. Und was passiert dann? Völlig erschrocken und vielleicht schon erschöpft fallen sie zurück in Ihre Komfortzone. „Siehste, das kann ich eben nicht!“

Doch das stimmt so nicht. Sie haben nur zu schnell Ihre Lernzone ausbreiten wollen und sind dabei in die Panikzone geraten, in der wir uns alle nicht gerne aufhalten. Kurzzeitig kann das in Ordnung sein, aber langfristig führt es zu oben beschriebenem Rückzug.

 

Doch was hat das alles mit Entscheidungen zu tun?

 

Auch bei Entscheidungen muss ich meine Komfortzone verlassen, ich sollte aber  darauf achten, nicht zu radikal zu entscheiden. Häufig gibt es Möglichkeiten, Kompromisse zu schließen, oder Veränderungen in sogenannten mini-steps vorzunehmen. Schritt für Schritt, damit ich nicht in die Panikzone gelange, mich nicht überfordere. Viele Entscheidungen brauchen Zeit, innere und äußere Prozesse, die Klarheit schaffen.

 

 

Zurück zu der Coachingsitzung am Wochenende: Auch in diesem Fall war der Kollegin klar, dass sie im Grunde schon eine innere Entscheidung getroffen hatte.

Bei der o.g. Methode ging es nun darum, dieses auch zu spüren. Wie ist es, im bequemen Sessel zu sitzen, ohne weiten Ausblick und wie ist es, vom kalten, unbequemen Stuhl aus den tollen Rosenstrauch zu betrachten? Aha, man sitzt dort unbequem, aber aufgerichtet und hat ein Gefühl von Klarheit und Weite?  Und bei näherer Betrachtung ist der bequeme Sessel auch gar nicht mehr so bequem?!    

 

Oft haben wir bereits eine Entscheidung getroffen, setzen Sie aber nicht um. Woran liegt es?

An der Angst vor Neuem? Oder dem unguten Gefühl, die Konsequenzen der Entscheidung tragen zu müssen?

Und was kann uns die Umsetzung erleichtern, wenn eine Entscheidung getroffen ist?

 

Meistens ist es hilfreich, konkrete, umsetzbare Schritte festzulegen. Welche Schritte kann ich sofort gehen und welche bedürfen noch einiger Überlegungen? Was genau will ich und welche Schritte sind dazu nötig? Gibt es Kompromisse, oder muss ich einen glatten Cut ziehen? Was nehme ich Positives aus der alten Situation mit? Wie kann ich es für mich nutzen? Was möchte ich in Zukunft ändern?                 

                                                           

Häufig entscheide ich mich für „das Eine“ und muss mich gleichzeitig gegen „das Andere“ entscheiden. Also hat „entscheiden“ sehr häufig mit loslassen zu tun damit, die Hände frei zu bekommen, um Neues anpacken zu können.

Doch wenn ich etwas, das mir ganz wichtig ist loslasse, bin ich dann gescheitert? Und was macht dieses Gefühl mit mir? Was bedeutet scheitern überhaupt? Doch das auszuführen, würde hier zu weit führen. Dazu ein anderes Mal mehr.

 

Und während ich diesen Artikel schreibe, habe ich mich entschieden, wie ich den für morgen anstehenden Coaching-Prozess gestalte. Dabei geht es nämlich auch um Entscheidungen.

Wunderbar!

 

Ich wünsche Ihnen viele Entscheidungen, die Sie in die Lernzone führen.

Ihre Anja Dittmann

 

[i] Das Tetralemma ist eine von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd entwickelte Adaptation eines logischen Schemas aus der indischen Logik (siehe Tetralemma) für die Anwendung im Bereich von systemischem Coaching, Beratung und Therapie und der systemischer Strukturaufstellung. Dabei soll der Entscheidungs- und Handlungsraum beim Vorliegen eines sogenannten „Dilemmas“ erweitert werden.

 

Sollten Sie noch mehr Interesse an dem Thema "Entscheidungen" haben, dann kann ich Ihnen folgenden Link empfehlen: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/06/Entscheidungen/seite-1